Selig
für Chor, Marimbaphon, Orgel und Perkussion

für die neugestaltete St. Katharinenkirche Osnabrück


Adagio assai

Informationen und Gedanken zum Werk :
(Begleittext der Partitur)

Das Werk ´SELIG´ ist komponiert in Bezug auf die sechs, von Dieter Hansmann neugestalteten Seitengewölbe der St. Katharinenkirche Osnabrück.

Der Künstler hatte im Jahre 1991, im Rahmen einer Gesamtrenovierung, die sechs Gewölbe nach Bibelzitaten in abstrakter Weise gestaltet. Die drei linken Gewölbe stellen nun die Bibelstellen ´Mathäus 5, 3/4/9´ dar, - die drei rechten beziehen sich auf ´Offenbarung 21, 23 & 22, 4/5´. Die Malerei geht eine Symbiose mit der vorhandenen historischen Architektur ein. Dabei hat Dieter Hansmann viel Raum für die eigene Wahrnehmung des Betrachters gelassen.

Die Musik nun, von Hause aus abstrakt, konkretisiert durch den gesungenen Text die unkonkreten Bilder ohne diese direkt zu "vertonen". Sie ist, obschon auf die minimalistische Malerei bezogen, eine eigene Umsetzung der genannten Bibelstellen mit ihren eigenen Mitteln.

Das Werk besteht folglich aus 6 Sätzen, in denen der 6-stimmige Chor jeweils, von Marimbaphonen, Orgel und Perkussion begleitet, die entsprechenden Bibelzitate singt. Auch die Komposition nimmt die gegebene Architektur auf, indem der Chor nicht zusammen an einem Ort steht, sondern jeweils 6 Sänger(-innen) unter je einem der 6 Seitengewölbe plaziert werden.

Die 4 Marimbaphone stehen an den 4 Säulen, die die Verbindungsecken der Gewölbe darstellen. Durch Anzahl, Position und Komposition (s.u.) symbolisieren sie in den ersten 3 Sätzen das Kreuz, also das Leid Christi und allgemein, zahlensymbolisch eben die Zahl 4, also das Verhaftetsein an die Materie (Saturn). In den Sätzen 1-3 spielen sie kanonartig in der Weise, daß sich im zeitlichen Nacheinander räumlich ein Kreuz bildet.

Erst in den Sätzen 4-6 wechselt die Reihenfolge zu einer Kreisförmigen, was idealisiert ein Symbol der Einheit mit Gott darstellen kann. So werden allein durch die räumliche Komposition die, vom Chor rezitierten, Inhalte der Bergpredigt (Satz 1-3) und dann der Offenbarung (Satz 4-6) symbolisiert.

Mit dem Chor, aufgeteilt unter den Gewölben, den Marimbaphonen an den 4 Säulen, der Orgel und Perkussion im Turm und dem Dirigenten in der Mitte all dessen, wird jeder archtektonische Raum der Kirche musikalisch beseelt. Der Altarraum wird als ´Allerheiligstes´, als Raum Gottes, freigelassen.

Stilistisch bewegt sich die Komposition weder im Rahmen ´alter Musik´ noch ´neuer Musik´, bzw. sowohl als auch. Findet der Zuhörer in den Sätzen 1-3 (Bergpredigt) noch Anklänge altbekannter Kirchenmusik (Palestrina, Bach ...) so führen die Sätze 4-6 (Offenbarung) zu "neuen" bzw. unbesetzteren Ufern. Hier hört man tonal offenere Färbungen im Geist der ´Minimal Music´ bis hin zu, vom Chor gesungenen Jazz-Akkorden.

Auch stilistisch wird also der Inhalt interpretiert: von ´altem Gesetz´, also Leiden in Vergangenheit und Gegenwart, zu ´neuem Freiraum´, also Vision einer Gott näheren und glücklicheren Zukunft.

(Christoph Oertel, 1992)

Am 3.12.1992 wurde die Kirche wieder neu eröffnet und im Rahmen der Eröffnungsfeiern die ersten 3 Sätze des Werks vom Bach-Chor der St. Katharinenkirche uraufgeführt.

Die Sätze und Bibelzitate :

I. Adagio
Selig, die arm sind in ihrem Geiste, denn ihrer ist das Himmelreich.
Mathäus 5,3
II.

Adagio assai
Selig, die Trauernden, denn sie werden getröstet werden.

Mathäus 5,4

Satz 2 hören
III.

Allegro moderato
Selig, die Friedenstifter, denn sie werden Söhne Gottes genannt werden.

Mathäus 5,9
IV.

Allegro
Die Stadt bedarf weder der Sonne noch des Mondes, daß sie ihr scheinen, denn die Herrlichkeit Gottes erleuchtet sie.

Offenbarung 21,23
V.

Andante
Sie werden sein Angesicht schauen und sein Name ist auf ihren Stirnen.

Offenbarung 22,4
VI.

Allegro
Nacht wird nicht mehr sein und man bedarf nicht einer Leuchte, denn der Herr wird sie erleuchten.

Offenbarung 22,5



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